Bildtelefon

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Bildtelefon
(2000) Ein Gerät, das nach der Erfahrung des Autors kaum jemand wirklich haben will und erst recht kaum jemand wirklich braucht. Trotzdem wird es immer wieder dann aus der Mottenkiste in die Werbung geholt, wenn ein neuer Übertragungsstandard beworben werden soll. Vor 20 Jahren war es das für Bildtelefonie eigentlich gar nicht geeignete ISDN, heute ist es das für Bildtelefonie noch weniger geeignete UMTS.
Wissen Sie eigentlich, wie albern Sie mit der dicken Nase aussehen, die ein 4-mm-Weitwinkelobjektiv in ihr Gesicht pflanzt, wenn es Sie aus halber Armlänge aufnehmen muss? Bildtelefonie mit Handys ist dadurch noch zweifelhafter als mit den derzeit erhältlichen stationären Geräten. Bildtelefon Doch solange auch diese so ungeschickt konstruiert sind, dass man dem Gesprächspartner oder der Gesprächspartnerin entweder ständig auf die Glatze oder in den Ausschnitt zu schauen scheint, wird auch stationäre Bildtelefone niemand haben wollen. Entweder gehört die Kamera auf Augenhöhe mitten ins Display, was sich mit halbdurchlässigen Spiegeln, wenn auch etwas platzraubend, realisieren lässt, oder das Bild mehrerer rund um das Display verteilter Kameras muss mit schneller 3D-Software zu einem perspektivenkorrigierten Bild des Gesprächspartners (/ der ~in) zusammengesetzt werden. Beides ist bisher nicht in Sicht.[2007/2011: Aktualisiert, siehe unten]
Erst wenn die (virtuelle) Kamera endlich genau hinter den Augen des virtuellen Gesprächspartners (und in mindestens einem Meter Entfernung) angebracht wird, so dass der projizierte Gegenüber nicht immer dicknasig an einem vorbeistarrt, werden vernünftige Dialoge mit Bild denkbar.

UMTS-Telefon (20. März 2002) Nachtrag zum Anlass der CeBIT 2002: Ich war viel zu optimistisch. Bildtelefonie mit UMTS-Handys ist in Wirklichkeit noch dümmer, als ich es mir vorgestellt habe. Mit ein bisschen Mühe kann man zwar seinen UMTS-Partner erkennen (auch wenn jedes Gesicht zur Karikatur verkommt), eine sprachliche Verständigung ist aber unmöglich, weil man sein Gegenüber wegen der Entfernungen Mund-Mikrofon und Lautsprecher-Ohr schon bei geringen Nebengeräuschen gar nicht mehr hören kann. Das Foto des Displays, auf dem nur ein Ohr zu sehen ist, weil ein Messebesucher versucht hatte, tatsächlich mit dem Mitsubishi-Handy zu telefonieren, kann man rechts bewundern. Die am Messestand vorgeschlagene Lösung lautete allen Ernstes, man könne ja ein Headset verwenden, wenn man auch etwas hören wolle. Übrigens wurde noch mit keinem Wort darauf eingegangen, dass die Anzeige mit erheblicher Verzögerung erfolgt. Das eigene Bild (im unteren rechten Bildviertel) erscheint rund eine halbe Sekunde nach der Aufnahme (das war bei meinen Blitzaufnahmen recht gut zu erkennen). Das Bild des Gesprächspartners erscheint also wahrscheinlich noch später auf dem Display. Durch diese mangelnde Lippensynchronizität wird das Bildtelefonieren noch unangenehmer.

Links zum Thema Bildtelefon

Teleprompter-Aufsatz für Monitore(2007) Die Firma Bodelin bietet unter dem Produktnamen SeeEye2Eye (SE2E) einen Spiegelaufsatz für gewöhnliche Monitore an, der das Bild des Gesprächspartners (oder einen aufzusagenden Text) nach Teleprompter-Art vor die Linse der eigenen Webcam spiegelt. Foto: bodelin technologies.
(2011) Im Dezember 2010 stellte das Team von Dr. Oliver Schreer am Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut die Virtual Eye Contact Engine vor. Die Echtzeit-3D-Analyse dreier Kameras wird in ein Polygonmodell des Kopfes umgerechnet und beim Gesprächspartner so dargestellt, dass dieser sich angeschaut fühlt.



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